Es geht los!

Die erste Hürde war die Anfahrt mit dem FlixBus von München nach Barcelona. Ob mit dem Flieger, der Bahn oder eben dem Fernbus: Ist das Fahrrad dabei, bleibt es immer spannend. Einen Fahrradträger haben die Flixbusse im europäischen Süden nicht, daher kann es nur als Sperrgepäck, telefonisch zur Fahrt hinzu gebucht werden. Gesagt getan, die gute Frau in der Flixbus Hotline erwähnte kritisch: „Der Fahrradtransport gilt nur für Klappräder, diese dürfen ein Maximalmaß nicht überschreiten und müssen speziell verpackt sein“. „Ja, das ist ein Klapprad“ erwähnte ich und „zerlegt wird es auch noch“ – „puh!“. Das kann ja heiter werden.

Nach der Ankunft mit dem Zug in München, gab es noch einen vorerst letzten Fleischkäse im Augustiner Biergarten. Im Anschluss kurbelte ich zum Busbahnhof, zerlegte mein Radl unter den kritischen Augen anderer Mitreisenden und wickelte es mit Frischhaltefolie ein. Das hat beim Fliegen auch schon funktioniert. Am Ende war es ein recht kompaktes Paket. Der nur spanisch sprechende Busfahrer schob es dann nach einigem Hin und Her (ich habe keine Reservierung im System hinterlegt usw.) aber dann doch unten in die Ladefläche. „Genial!“ – Das war schon einmal erledigt.

Im Bus selbst waren wir ein lustiges Trio. Jeder von uns verließ Deutschland auf unbestimmte Zeit und hatte seinen ersten Tag des „Abenteuers“.
Mein direkter Nachbar wollte Europa kennenlernen. Langsam, irgendwo arbeiten, kostenlos für Kost und Logis. Hatte absolut keinen Plan über das: Was, Wie oder Wohin. „Woofing“ kannte er nicht, Französisch, Italienisch oder andere Sprachen, außer Englisch, waren ihm auch fremd. Verpeilt kam er mir zwar nicht vor, aber irgendwie aus einer anderen Welt. Mit aktuellen Geschehnissen wusste er nichts anzufangen und über seine beruflichen Erfahrungen erwähnte er lediglich unterschiedliche Jobs. Jedenfalls wünschte ich dem durchaus sympathischen, tätowierten und durchtrainierten Typen bei seinem Ausstieg in Nizza viel Erfolg zu seinem „Neuanfang“, jetzt vermutlich ohne spezielle Gardinen!
Die junge Frau hinter mir wollte einfach nur noch weg. Alle paar Minuten im Gespräch kam die Aussage wie schrecklich es doch in Berlin bzw. in Deutschland sei. Selbst für sie, als geborene Berlinerin gab es keine bezahlbaren Wohnungen mehr. Daher verbrachte sie die letzten Monate in einem Hostel. Die Kollegen oder Nachbarn seien oft schlecht gelaunt und überhaupt, lebt jeder nur selbst vor sich hin. Ihr Mann, ein Inder hat jetzt einen Job in Portugal gefunden und da geht sie jetzt auch hin, basta!. Das Leben ist bezahlbar, das Wetter besser, die Menschen umgänglicher und irgendeinen Job wird sie dort auch finden. Schlimmer als in Deutschland kann es nicht werden, richtige Arbeit hatte sie hier auch nicht. „Außerdem wird es Winter, da hält man es in Berlin eh nicht aus!“. „Ok“, meinte ich, „daß kann ich jetzt gut nachvollziehen“. Bei dem restlichen Deutschland „bashing“ hielt ich jedoch die Klappe und dachte mir nur: „Die hat noch einen langen Weg vor sich…“

In Barcelona kam ich, nach 23 Stunden im Bus, mit nur einer Stunde Verspätung an. Respekt! Lief erstaunlich gut. Vor einigen Jahren war ich hier schon einmal und fuhr mit dem Rad zurück nach Deutschland. Jetzt geht es in die andere Richtung, eine Fortsetzung der Geschichte?
Einen Tag der Vorbereitung gönnte ich mir noch, bevor ich in den Sattel stieg und in Richtung Malaga aufbrach.