Afrika?

Unser letzter Abschnitt war der längste auf hoher See. Sechs Tage nonstop auf dem Wasser. Mittlerweile hatten wir zwei Köche an Bord. Nein, es wurde nichts mit „Brei verderben“. Im Gegenteil, die Verköstigung war klasse!
Wir genossen die Ruhe auf dem Atlantik und in den Nachtwachen den herrlichen Sternenhimmel. Mit unserem Partnerboot lieferten wir uns ein kleines Rennen, wenn es auch keiner zugab. Wir nahmen den direkten Kurs, immer am Rande eines Windgebietes und hatten dadurch etwas weniger Fahrt. Meistens zwischen 15..25 Knoten Wind, direkt achtern. Leider immer eine Tick zu viel für unseren Genaker, den wir nur kurz ausbäumten und gleich wieder einholten. Unser Schwesterschiff legte dagegen seinen Kurs direkt hindurch, fuhr dadurch ein höheres Tempo, musste aber kreuzen und hatte 90 Seemeilen mehr im Log. Das “Rennen“ war jedoch ungerecht, da die Cape Diem ein paar Fuß länger war. Am Ende holten wir gerade einmal einen halben Tag heraus.

Wieder kamen wir früh am morgen im Hafen an. Selbst hatte ich vor dem Einlaufen Nachtschicht und konnte den Leuchtturm von Santo Antao schon von weitem sehen. Bei Sonnenaufgang passierten wir die Düse zwischen den beiden Inseln und gingen im Hafenbecken in Mindelo auf Sao Vicente erst einmal vor Anker. Wir waren einfach zu früh dran und mussten auf die Marineros warten. Als es dann soweit war, begrüßte uns ein Österreicher. Der Stützpunktleiter der Charterfirma, für die wir die Boote überführt haben. Nach dem Anlegemanöver bedankten wir uns das letzte Mal bei Neptun mit dem obligatorischen Rum und nahmen, am frühen Vormittag auch gleich einen Schluck aus der Pulle. Das war es dann, aus und vorbei, wir sind angekommen und meine Reise in den Senegal ging in die letzte Runde.

Schon beim Einlaufen in den Hafen sahen wir die schnittige Rennjacht von Hugo Boss. Abends in der Bar, auf einem Schwimmsteg im Hafen, saß dann die Segel Ikone Alex Thomson mit seiner Crew am Nachbartisch. Einige von uns waren derart aus dem Häuschen und wollten unbedingt mit ihm abgelichtet werden. Die ersten Bilder ertrug der Star noch ganz gut, aber es kamen immer mehr Anhänger und er wirkte sichtlich genervt. Was war das nur für eine Leben als Superstar?

Nachdem wir die ersten Dinge, wie einklarieren, (das dauerte etwas länger, da wir nicht mehr in der EUR waren) erledigt hatten, bin ich zügig los um meine Weiterreise zu organisieren. Noch war ich auf der falschen Insel um in den Senegal zu kommen. Mein Flug nach Dakar ging von der Insel Sal. Wie die nette Dame im Reisebüro mir aber versicherte, waren die Flüge mit den kleinen Inselhüpfern für die nächsten Wochen ausgebucht. So viel Zeit hatte ich aber nicht mehr. So spurtete ich hastig in den Hafen. Schon von Deutschland aus versuchte ich herauszubekommen, ob es eine Fähre nach Sal gab, bekam es aber nicht heraus. Die nette Dame am Schalter versicherte mir jedoch, es gibt eine, nur wisse man momentan nicht, wann diese denn fährt. „Technische Probleme“, so die Aussage. In ein paar Tagen sollte ich es nochmal probieren. Somit wurde aus dem Montag der Dienstag, dann der Mittwoch und am Ende fuhr ich an einem Donnerstag. War das denn schon Afrika? Einen Vorgeschmack bezüglich den Terminaussagen habe ich jedenfalls schon bekommen.

Mir blieben daher noch ein paar Tage auf San Vincente. Zu viert schnappten wir uns Johnny, der am Hafeneingang herumlungerte und uns eine Tour über die Insel andrehte. Wir verhandelten und bekamen eine drei stündigen Fahrt in einem kleinen Bus zu dem höchsten Punkt der Insel. Auf der windzugeneigten Seite des Bergrückens war es durch Kondenswasserbildung möglich ein wenig Mais anzubauen. Regen gibt es hier nur sehr selten, die Vegetation war daher nur dürftig. Als wir über das spezielle Kopfsteinpflaster dann oben ankamen, hatten wir eine herrliche Aussicht über die ganze Region, inklusive der Nachbarinseln.

Unsere Fahrer brachte uns im Anschluss auf die andere Seite von Mindelo. In einem kleinen Tal wurde, in dieser unwirklichen Gegend versucht, Landwirtschaft zu betreiben. Die tiefen Brunnen förderten mit alten Windrädern Wasser für die kleinen Anbauflächen. Es musste allerdings zunehmend tiefer gebohrt werden. Der ein oder andere Bauer hat deswegen auch schon aufgegeben.

Schildkröten waren das Wahrzeichen der Kapverden und ein paar konnten wir in einem kleinen Schwimmbecken begutachten. Mit viel Zwang wurde hier ein „Highlight“ für Touristen erschaffen. Jeder Tierschützer hätte bei der Ansicht dieses trostlosen Beckens einen Infarkt bekommen. Die dreckige Brühe und die viel zu kleinen Becken in denen sich die Tiere kaum bewegen konnten, waren ein trauriger Anblick. Aber die Insel an sich gab eben nicht viel her. Da mussten man eben ein paar Attraktionen „erzeugen“.
Die Stadt Mindelo selbst war dagegen sehr lebhaft und nicht umsonst die Kulturhauptstadt der Kapverden. Party und Konzerte gab es immer wieder. Am Wochenende putzten sich die Einheimischen heraus. Teilweise eine Augenweide, ;-).

Einen Tag gönnten wir uns, um die Nachbarinsel Sao Antao zu erkunden. Sehr früh am Morgen nahmen wir die Fähre, um dann die berühmte Wanderung durch das “Paul” Tal zu bewältigen. Hierzu fuhr man mit einem Taxi auf den Rand einer Caldera und lief bis ans Meer hinab. Immerhin 1400 Höhenmeter Abstieg, die gerade im oberen Teil sehr steil waren. Gab es auf der windabgewandten Seite lediglich Wüste, traf man oben auf Regenwald. Faszinierend, wie sich nur durch ein paar Höhenmeter auf der Insel die Klimazonen verändern. Leider konnten wir im oberen Bereich nicht viel sehen, Nebel und teilweise Regen verbargen die vermutliche tolle Aussicht. Erst weiter unten, im ersten Dorf klarte es nur kurz ein wenig auf und wir hatten freien Blick auf das Meer.
Auf den winzigen Parzellen, die den steilen Hängen mit vielen kleinen Stützmauern abgezwungen wurden, wuchsen Bananen, Mangos, Papayas und auch Kaffee.

Auf der Wanderung kamen uns vorwiegend Deutsche, oder Franzosen entgegen. Deuter oder Quetchua und schon war klar, mit wem man es zu tun hatte. Selbst wurde ich darauf angesprochen, endlich mal einen NICHT Deutschen zu treffen, man hielt mich für einen Spanier… Na dann…

Ein Österreicher hatte sich in einem kleinen Dorf niedergelassen und ein Cafe eröffnet. Diese wurde uns überall empfohlen, er hat sich auf die europäische Kundschaft eingestellt. Ohne Reservierung bekam man hier keinen Platz, was mir ganz recht war. Aber unsere Österreichischen Mitsegler wollten ihrem Landsmann natürlich einen Besuch abstatten. Ging aber nicht, alles belegt. So liefen wir die komplette Wanderung, bis zum Ende ohne größere Pause durch. Erst am Meer gönnten wir uns eine längeren Aufenthalt, als wir wieder auf unser Taxi, zurück in den Hafen warteten.

Nach ein paar Tagen war ich nur noch mit den beiden Skippern auf dem Schiff, der Rest der Crew war schon verschwunden. Wir leerten am letzten Abend die an Bord befindlichen alkoholischen Getränkereste der verschiedenen, bereits bereisten Länder. Interessanterweise ergaben sich gerade jetzt die spannendsten Gespräche. Themen die, die ganzen drei Wochen auf hoher See nicht zur Sprache kamen. Manchmal muss man nur unter sich sein, :-). So war es schon spät in der Nacht, als wir das Schiff noch ausräumten um es am nächsten Tag dem Standortsleiter zu übergeben.

Da ich noch keinen zuverlässigen Termin für meine Fähre hatte, gönnte ich mir in Mindelo seit langem wieder ein Einzelzimmer. Der Hausherr hatte aber zufällig eine komplette Wohnung für den gleichen Preis frei. Das war dann absoluter Luxus, nach ein paar Wochen endlich mal wieder ein ganzes Reich für sich alleine zu haben.